Neue Vorstandsmitglieder: Zwei Frauen, die es anpacken!

Lilian von Trapp

Vorstand Earthbeat Lilian von Trapp

* Geboren 1987 in Frankfurt am Main, aufgewachsen in Berlin
* Derzeitige Beschäftigung: Geschäftsführerin und Designerin von Lilian von Trapp
* Schule und Ausbildung: Jurastudium und dann per Quereinstieg beim Schmuck gelandet
* Drei wichtige Stationen deiner Karriere:

1. Beendigung des Jura Studiums
2. Einkäuferin für das Kaufhaus des Westens in Berlin
3. Gründung meines Unternehmens

What keeps you going?
Einerseits will ich mein Label voranbringen, andererseits liegt mir Nachhaltigkeit im Echtschmuckbereich sehr am Herzen. Ich will Awareness schaffen, aufklären und Änderungen bewirken. Und das nicht nur in meinem eigenen, sondern auch bei anderen Unternehmen.
Die Frage, warum wir (mehr) Fairness auf dem Gold- und Schmuckmarkt brauchen, beantwortet sich von selbst.

Deswegen interessiert uns, wie Du persönlich in diesem Business gelandet bist? Kannst Du uns vielleicht ein Schlüsselerlebnis schildern?
Eigentlich habe ich selbst angefangen, geerbten Schmuck zu recyceln und meine eigenen Kreationen herzustellen. Dann kam die Idee, das als Business zu machen. Es gibt keine Notwendigkeit, Gold in Minen abzubauen, wenn schon soviel Gold im Umlauf ist.

Was sagst Du Menschen, die sagen, faires Gold und fairer Schmuck seien unerschwinglich?
Was heißt faires Gold? Gold hat einen Wert, der börsennotiert ist. Von daher ist Gold immer gleich teuer. Wenn man Echtschmuck tragen will, dann hat das seinen Preis und das liegt nicht an der Fairness. Meine Produkte sind nicht teurer. Im Gegenteil, ich will dem Kunden einen fairen Preis machen, Schmuck herstellen, der erschwinglich ist.

Wenn Du dir die Situation von ArbeiterInnen in Gold- und Diamantenminen anschaust, was sind Deiner Meinung nach ihre wichtigsten Bedürfnisse? Was würdest Du konkret ändern wollen?
Das sind alles Dinge, die wir konkret bei Earthbeat Foundation angehen. Projekte, die vor Ort was verändern. Es geht nicht nur Konsumentenaufklärung, sondern auch darum, den Menschen, die auf die Arbeit in den Minen angewiesen sind Alternativen zu schaffen. Und auch sie müssen darüber aufgeklärt werden, wie wichtig Bildung ist. Und dann müssen wir natürlich entsprechende Bildungsmöglichkeiten schaffen.

Wo liegt, Deiner Meinung nach, die Verantwortung eines modernen Verbrauchers?
Wenn ich Verbraucher eines Luxusgutes bin, eines Produktes also, das nicht zum Überleben notwendig ist, dann sollte ich mich auch mit der Verantwortung auseinandersetzen, mich darüber zu informieren, woher das Produkt kommt und unter welchen Umständen es produziert wurde. Wissen ist auch ein Luxus. Und es ist ein Gewinn, wenn ich weiß, dass mein Ring aus fairem Material produziert wurde.

Madeleine Daria Alizadeh

Vorstand Madeleine Alizadeh

* Geboren 1989 in Wien
* Derzeitige Beschäftigung: Founder des Labels Dariadéh, des Podcasts “A mindful Mess“ und des Instagram Kanals @dariadaria
* Schule: Französischer Kindergarten und Grundschule, dann Gymnasium, dann „die Graphische“ mit Ausbildung zur Fotografie / Uni: Studium Politikwissenschaft & Ethnologie (nicht abgeschlossen), Bachelor of Engineering an der New Design University und abschließend einen Master in Modefotografie in Mailand
* Drei wichtige Stationen deiner Karriere:

1. Die Gründung meines Blogs, der anfänglich einfach nur Hobby war.
2. Die Doku„Gift auf unserer Haut“ die mich letztendlich dazu brachte Fast Fashion den Rücken zu kehren
3. 2017 mit  meinem Blog abzuschließen, nachdem das bloggen mich einfach nicht mehr glücklich machte.

What keeps you going?
Eine positive Einstellung, damit der Weltschmerz nicht Überhand nimmt, auf meinen Körper zu hören, mein Hund Mala und Matcha/Chai Latte.
Die Frage, warum wir (mehr) Fairness auf dem Gold- und Schmuckmarkt brauchen, beantwortet sich von selbst. Deswegen interessiert uns, wie Du persönlich in diesem Business gelandet bist? Kannst Du uns vielleicht ein Schlüsselerlebnis schildern?
Für mich kam der Weg eher über die Elektronik. Handy und Laptop sind mein tägliches Arbeitswerkzeug und da neben vielen anderen Konfliktmineralien auch Gold in fast allen elektronischen Geräten verbaut ist, habe ich angefangen auch das Gold, das ich am Körper trage zu hinterfragen.

Was sagst Du Menschen, die sagen, faires Gold und fairer Schmuck seien unerschwinglich?
Ich denke, dass man nur Dinge kaufen sollte die man auch wirklich braucht und die einem auch wirklich ein gutes Gefühl geben. Ich kaufe mir lieber ein etwas teureres Stück von dem ich genau weiß, dass es fair produziert wurde, als mehrere Schmuckstücke wo der bloße Gedanke an die Produktion mich erschaudern lässt. Vor allem sind Schmuckstücke nichts was man sich täglich kauft. Es ist eine Investition, die man sehr selten tätigt und die aber auch etwas wert ist, wenn man mal gezwungen ist, es zu verkaufen.

Wenn Du dir die Situation von ArbeiterInnen in Gold- und Diamantenminen anschaust, was sind Deiner Meinung nach ihre wichtigsten Bedürfnisse? Was würdest Du konkret ändern wollen?
Grundsätzlich sollten natürlich alle Menschenrechte von ArbeiterInnen in Gold- und Diamanten-Ausgrabungsorten respektiert werden. Hierzu zählen beispielsweise alle Arbeitsrechte wie das Recht eine Gewerkschaft zu gründen, feste Arbeitszeiten, faire Bezahlung, das Recht auf Gesundheit und Sicherheit,etc. Natürlich ist es auch extrem wichtig gegen Kinderarbeit, Kindersoldaten und Menschenhandel vorzugehen; beides Themen, die immer wieder im Zusammenhang mit Minenbau auftauchen. Was auch leider noch ein Tabu ist sind die Rechte von Sexarbeiterinnen, welche sich oft rund um die Minen ansiedeln und sich in sehr prekären Lebenssituationen befinden, aus denen man nur schwer entfliehen kann. Die Kreise, die Konfliktmineralien ziehen, sind so enorm groß und geht in so viele Schichten über – das kann man anfangs nur schwer begreifen. Das Problem ist so komplex.

Wo liegt, Deiner Meinung nach, die Verantwortung eines modernen Verbrauchers?
Der moderne Verbraucher kann seine Augen nicht mehr verschließen und behaupten er hätte von den Missständen in der Rohstoffbeschaffung nichts gewusst. Jeder, der Mineralien kauft, sollte sich bewusst sein, dass er hiermit eine richtungsweisende Entscheidung trifft! Bei herkömmlichen Rohstoffen verschlimmert der Konsument durch den Anstieg der Nachfrage die Situation; beim Kauf von fairen Rohstoffen aber zeigt er den Firmen, dass sie nur noch Gewinn machen können, wenn sich ihre ethischen und nachhaltigen Praktiken verändern. Wir leben so oft in einer Doppelmoral: in unserem eurozentrischen Bild wollen wir faire Bezahlung, keine unbezahlten Praktika, ArbeiterInnenrechte, wir wollen nur das beste Leben für uns. Doch mit unserem Konsum sprechen wir dieses Recht den Menschen ab, die diese Güter herstellen.