Austausch und Unterstützung: Earthbeat Foundation trifft Gleichgesinnte

Autumn School for Sustainable Entrepreneurship: Earthbeat-Projektmanagerin Julia Gajewski hat in Tansania an einem Workshop für nachhaltige Sozialunternehmer teilgenommen. Mit dabei waren Kreative und Engagierte aus vielen Ländern Afrikas und Deutschland. Hier berichtet sie von beeindruckende Projekten, neuen Freunden und darüber, wie Austausch unsere Arbeit belebt.

Autumn School for Sustainable Entrepreneurship

Wie können wir unseren Einfluss vergrößern und uns vernetzen? Was brauchen wir, um Earthbeat noch nachhaltiger aufzustellen? Und was heißt es, ein nachhaltiges Business in Afrika zu gründen und erfolgreich zu führen? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, habe ich im Oktober an der Autumn School for Sustainable Entrepreneurship 2017 teilgenommen. Ja, klingt ein wenig sperrig, ist es aber nicht. Im Gegenteil. Zum zweiten Mal fand die Veranstaltung statt. Im letzten Jahr in Berlin, dieses Jahr in Dar es Salaam, einer quirligen Metropole an der Küste Tansanias in Ostafrika. Regelmäßig werden Vertreterinnen und Vertreter von Sozialen und Nachhaltigen Unternehmen aus Deutschland und afrikanischen Ländern zusammenkommen und sich austauschen.

Autumn School for Sustainable Entrepreneurship: Für jedes Problem ein (nachhaltiges) Business

Ich durfte in diesem Jahr Earthbeat Foundation vertreten und hatte in einer inspirierenden Woche kaum Zeit Atem zu holen. Das Klima der Veranstaltung lässt sich am besten mit einem Wort beschreiben: Fruchtbar! Die 22 Teilnehmer konnten sich untereinander über ihre Arbeit und Projekte austauschen. Kernproblem für alle ist der Klimawandel, der in vielen Ländern Afrikas das Leben der Menschen massiv beeinflusst. Aus diesem Grund widmen sich die Changemaker in Afrika auch sozialen Fragen. Mir ist bewusst geworden, wie wenig wir in Europa von den vielen, inspirierenden, kreativen, agilen und progressiven Menschen wissen, die Muhammed Yunus Worte in die Tat umsetzen: „Sobald ich ein Problem erkenne, gründe ich ein Unternehmen, um es zu lösen.“

Autumn School for Sustainable Entrepreneurship

Mit dieser Philosophie im Hinterkopf lässt sich z.B. aus Plastikmüll stabiles Baumaterial herstellen, aus Bioabfall Energie gewinnen oder auch aus „Scheiße Gold machen.“ Es gibt unzählige Ideen für verschiedenste Herausforderungen. Dabei verlangt jedes Land eine individuelle Lösung. Ich habe hier viele Projekte kennengelernt, die gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Tillmann und Gabriele z.B. bieten mit ihren Membranfiltern Trinkwasserlösungen für die ländlichen Gebiete Kenias. Gleichzeitig klären sie auf, wie wichtig sauberes Trinkwasser ist und stärken Frauenrechte. Sie unterstützen gezielt ‚Womenpreneurs‘ bei der Gründung eines eigenen, nachhaltigen Businesses im Bereich Trinkwasserverkauf.

Besonders beeindruckt hat mich Selina, eine 25 Jahre junge Massai. Mit unglaublichem Mut hat sie sich aus den Fängen einer rigiden, frauenfeindlichen Tradition befreit. Wie? Sie hatte die Möglichkeit sich in einem Internat zu bilden. Dadurch ist sie dem Horror der Kinderehe und Genitalverstümmelung entkommen. Inzwischen hat sie ihre eigenes Internat gegründet und rettet junge Massai-Mädchen vor ihrem Schicksal. Teil der Schule ist ein Gemeinschaftsgarten, mit dem sie den Menschen im Dorf die sogenannte Permakutur näher bringt. Das bedeutet, dass Land nachhaltig kultiviert wird, u.a. indem man sich an den Kreisläufen der Natur orientiert. Gleichzeitig bietet sie somit Lösungen für die Nahrungsknappheit in ihrer von anhaltender Dürre geplagter Heimat im Süden Kenias. Ich hatte die große Ehre, sie zu begleiten und ein wenig mit anzupacken. Inspirierend!

Nachhaltigkeit durch Erfahrung und Austausch

Ich könnte noch von so vielen Projekten erzählen, die es geschafft haben, Wirtschaftlichkeit mit Innovation, ökologischer Verantwortung und partizipatorischen Elementen zu verbinden. Da waren wir als Earthbeat Foundation natürlich in goldrichtiger Gesellschaft (Na? Wortspiel erkannt? Earthbeat? Gold? RICHITG ;))?. In unseren Partnercommunities geht es schließlich auch darum, nachhaltige Businessmodelle als Alternative zum Goldbau zu entwickeln.

In jeder freien Minute, ob im Bus oder in der Warteschlange vor dem Klo, haben wir Teilnehmer uns ausgetauscht. Doch auch die Workshops, die Präsentationen und überhaupt das ganze Programm der Autumn Summer School waren gut durchdacht und höchst informativ. Unterstützt wurden wir außerdem von engagierten Alumnis aus dem letzten Jahr, MentorInnen vom renommierten Ashoka-Netzwerk und zahlreichen, etablierten SozialunternehmerInnen. Sie haben ihre Erfahrungen mit uns geteilt und konnten so wertvolles Feedback zu unseren Projekten geben.

Autumn School for Sustainable Entrepreneurship

Im Mittelpunkt der Autumn School for Sustainable Entrepreneurship stand die Frage nach der „Scalability“, also wie und ob unser jeweiliges Unternehmen wachsen kann, um den positiven Einfluss zu stärken.
Die Synergien und Möglichkeiten, die sich dabei gezeigt haben, wurden am Ende der Woche auf der Kaleidoskop Konferenz noch einmal gebündelt präsentiert. Hierzu waren auch externe Akteure eingeladen. Leider kamen weniger potenzielle Financiers, als manche der Teilnehmer gehofft hatten. Dennoch hat sich der Austausch mit lokalen Businesses und politischen Akteuren für alle gelohnt.

Tausend Ideen im Gepäck

Nicht nur als Projektmanagerin von Earthbeat, sondern auch für mich persönlich war die Woche in Dar es Salaam sehr bereichernd. Ich habe viele neue Ideen im Gepäck, die uns bei unseren Ansätzen helfen werden und mit denen wir noch mehr Menschen erreichen können. Besonders spannend ist für uns als schweizerisch-deutscher NGO natürlich die Frage: Wie bilden wir Partnerschaften auf Augenhöhe mit kleinhandwerklichen Goldbergleuten, die am anderen Ende der Versorgungskette leben? Welche Rolle spielen kulturelle Unterschiede bei der Zusammenarbeit? Was müssen wir beachten, um durch unsere Projekte auch andere Goldbauregionen zu motivieren?

Autumn School for Sustainable Entrepreneurship

Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass man solcherlei Herausforderungen am besten mit Aufgeschlossenheit sowie offenenAugen und Ohren begegnet. Auch die Methoden des Design Thinking helfen und – vielleicht am wichtigsten von allem – stabile Partnerschaften vor Ort. In der Autumn School habe ich Freunde und Unterstützer gefunden, die mir für unser Projekt in Uganda unbezahlbaren Input gegeben habe. Jetzt heißt es: Ran an die Arbeit! Weiterstricken am Netz! Und die Ideen der Autumn School for Sustainable Entrepreneurship zu Projekten reifen lassen!

Willst Du teilhaben an diesem Wandel und uns unterstützen? Hier kannst Du nachlesen, auf welche Weise Du das tun kannst.